Aufgrund Eurer großen Nachfrage zu den Dieselfahrverboten, beantworten wir in einem sachlichen Beitrag, ob Dieselfahrverbote wirklich sinnvoll sind und welche Auswirkungen sie auf uns sowie den Verkehr haben. Dazu nennen wir Euch am Ende alternative Transportmittel, die aktuell vorhanden sind.

Abgasskandal und Dieselfahrverbote

Seit dem Abgasskandal geht es im Transport-Sektor drunter und drüber. Ein massiver Betrug wurde aufgedeckt zum Leid der Bevölkerung, der Verbraucher und der Eigentümer eines Dieselfahrzeuges. Skandalös. Gepriesene Emissionswerte sind nicht eingehalten worden und die Automobilindustrie will  für den Schaden nicht aufkommen. Durch eine Austauschprämie soll ein Fahrzeugwechsel stattfinden. Doch dieser ist für den Endverbraucher immer mit Mehrkosten verbunden.

Durch die Einführung von Dieselfahrverboten in bestimmten Straßenabschnitten von Großstädten mit kritischer Luftqualität will man den bösen Stickoxiden (NO und NO2 = NOx) den Kampf ansagen. Hierzu wurden Fahrverbote gerichtlich durchgesetzt. Doch da stellt sich eine*r die Frage:

Wie sinnvoll sind Dieselfahrverbote überhaupt?

Ob nun sinnvoll oder nicht. Der Fall kann für jede*n Einzelnen von Euch anders ausfallen. Der Beitrag ist dennoch sicherlich spannend für alle mit oder ohne Auto. Denn wir wollen Euch in diesem Beitrag ein paar Fakten nennen – und zum Nachdenken anregen.

Verkehr und Mobilität: Dieselfahrverbot

Problem Feinstaub

Feinstaubalarm – bekannt aus Fernsehmeldungen und im Straßenverkehr. Durch erhöhtes Verkehrsaufkommen von Verbrennungsmotoren (sowohl Benziner als auch Diesel) in diversen Straßenabschnitten oder Stadtteilen entsteht Feinstaub. Daher wird oft von der Stadt empfohlen auf öffentliche Verkehrsmittel umzusteigen. Oder Fahrgemeinschaften zu bilden.

Durch das Einatmen von Feinstaub können Schleimhautreizungen, lokale Entzündungen im Rachen, der Luftröhre und den Bronchien, Beeinflussung des Nervensystems und Auswirkungen auf Herz und Kreislauf entstehen. Eine genauere Erklärung über Feinstaub und die Auswirkung auf Mensch und Umwelt findet Ihr unter Umweltbundesamt – Feinstaub-Belastung.

Welche Fahrzeuge haben einen erhöhten Feinstaubausstoß?

Alle Verbrennungsmotoren, welche einen fossilen oder kohlenstoffbasierten Kraftstoff nutzen. Das heißt sowohl Diesel als auch Benziner (und Erdgas) sind betroffen. Aber dies ist nur ein Teil der Geschichte zum Thema Dieselfahrverbote. Es gibt noch Stickoxide, welche hauptsächlich durch Dieselfahrzeuge emittiert werden. Die Stickoxide waren letztendlich die Hauptursache für den Erlass der Dieselfahrverbote in den Großstädten.

Dieselfahrverbote: Sinnvoll oder nicht?
©Photo by Rob Wingate on Unsplash

Problem Stickstoffdioxid (NOx)

Zunächst sei erwähnt, dass der durch die Medien bekannte Dieselfahrverbot auf den erhöhten Stickstoffdioxid-Anteil (NO und NO2; auch als NOx beschrieben) im Abgas von Dieselfahrzeugen generell zurückzuführen ist. Die Dieselfahrzeuge machen einen Anteil von ca. 70% dieses Schadstoffes aus. Dieses Reizgas greift das Lungengewebe an und kann besonders bei Asthmatikern eine Bronchienverengung auslösen und somit die Wirkung von Allergenen begünstigen. Allgemein sind Lungen-, Herz-, und Kreislaufprobleme die häufigste Ursache durch NOx in der Luft. Mehr zu den Risiken hat das Umweltbundesamt für Euch zusammengefasst.

Für den Schutz der menschlichen Gesundheit ist ein Jahresgrenzwert von 40 µg/m³ im Jahresmittel der Außenluft festgelegt, der seit 2010 einzuhalten ist. Der Arbeitsplatzgrenzwert liegt hingegen bei 950 µg/m³ – über 23-mal höher! Quelle (Außenluft/Innenluft – NOx).

Problem ist, dass Dieselverbrennungsmotoren – besonders welche, die die Euro 5-Norm erfüllen – einen hohen Anteil dieser gesundheitsbedenklichen Stickoxide emittieren. Der hohe Anteil von NOx entsteht aufgrund ihres Verbrennungsprozesses und der hohen Flammentemperatur sowie des nachgeschalteten Dieseloxidationskatalysators (DOC).

Das Dilemma hierbei ist, dass das heutige Diesel-Fahrzeug auf geringen Kraftstoffverbrauch optimiert ist. Das bedeutet, dass das Fahrzeug viel weniger Kraftstoff verbraucht und somit weniger COausstößt im Vergleich zu einem herkömmlichen Benziner-Fahrzeug.

Durch das Dieselfahrverbot verbrauchen wir mehr Kraftstoff, stoßen mehr CO2 aus und lagern die NOx-Emissionen auf andere Straßen um.

Also sind wir mit einem Dieselfahrzeug umweltfreundlicher unterwegs und können gleichzeitig etwas Geld sparen? Grob gesagt, ja. Eine Faustformel gilt: geringerer Kraftstoffverbrauch = geringerer CO2-Ausstoß. Dennoch sind alte Dieselfahrzeuge (bis einschließlich Euro 5) mit seinen hohen NOx-Emissionen nicht optimal für die Gesundheit der Menschen.

Dieselfahrzeuge bis einschließlich Euro 5

Insbesondere alte Dieselfahrzeuge bis einschließlich Euro 5 sind schlecht bei der Einhaltung der NOx-Grenzwerte in den Städten. Das liegt daran, dass sie keinen AdBlue® und SCR-Katalysator nutzen, um die NOx-Emissionen im Abgas zu reduzieren. Die neuen Dieselfahrzeuge ab Euro 6d und 6d-TEMP erfüllen die Emissionsgrenzwerte erfolgreich. Daher dürfen diese Dieselfahrzeuge weiterhin in allen Zonen fahren.

Aber gehen wir noch etwas weiter und stellen uns folgende Fragen. Was passiert jetzt eigentlich mit den Dieselfahrern, welche ihr Auto für das Pendeln zur Arbeit benötigen? Und ihre vertraute Route durch die Stadt aufgrund des Dieselfahrverbotes nicht mehr nutzen dürfen?

Diese werden vermutlich einen größeren Umweg zur Arbeit in Kauf nehmen müssen und somit intensiver Nebenstraßen nutzen. Also wieder mehr Kraftstoff verbrauchen und die NOx-Emissionen auf andere Straßenabschnitte umlagern. Der Dieselfahrer, welcher sich nicht für die Austauschprämie entschlossen hat, wagt einen Wechsel zu einem Benzinerfahrzeug mit einem Mehrverbrauch. Also wieder eine größere CO2-Belastung für die Umwelt. Eher empfiehlt sich ein Wechsel zu einem Erdgasfahrzeug, welches viel weniger CO2 emittiert als ein Diesel oder Benziner. Hinzukommt, dass Erdgas über regenerative Maßnahmen (z.B. Biogasanlage) erzeugt werden kann.

Verkehr-Stau-Dieselfahrverbot
©Photo by Nabeel Syed on Unsplash

 Dieselfahrverbote: Vor- und Nachteile

In der folgenden Tabelle habe wir nochmal sämtliche genannten Vor- und Nachteile aufgelistet bezüglich der Dieselfahrverbote in Großstädten.

VorteileNachteile
Lokale Verbesserung der Luftqualität für Fußgänger und Passanten in verkehrsintensiven GroßstädtenBei konstanter Verkehrsanteilnahme
höhere Verlagerung der Stickstoffoxid
in anderen Bereichen der Stadt
Straßenabschnitte mit Dieselfahrverbote attraktiver für Benziner-Fahrzeuge
erhöhtes Verkehrsaufkommen auf umliegenden Straßen
höhere Verkehrsdichte = hohe Staugefahr = höherer Anteil an Stickstoffoxiden (bei vielen Dieselfahrzeugen)
sowie Feinstaubpartikeln in der Luft (ebenfalls toxisch) = Mehrverbrauch an Kraftstoff und somit mehr CO2-Ausstoß
Dieselbesitzer wechseln eventuell auf alternative Verkehrsmittel
-> Hybrid-, Elektro-, Erdgasfahrzeuge, Brennstoffzelle etc.
-> Fahrrad oder zu Fuß
-> Öffentliche Verkehrsmittel (Bus, Straßenbahn)
Für Umstieg auf alternative Verkehrsmittel
noch zu wenig staatliche Förderung sichergestellt.
-> Auslastung der Straßenbahn, Busse
und allgemeinen öffentlichen Verkehrsmitteln sind zu erwarten.
Eventuelle Umstellung im Denken der Bevölkerung zum Thema Transport und UmweltMenschen, die aus dem Umland in die Stadt fahren
(z.B. Pendler zur Arbeit), können nicht mehr direkt ins Stadtinnere fahren
Dieselverbot richtet sich primär an Dieselbesitzer
(bis Euro 5 Fahrzeug) und nicht den Fahrzeugherstellern (Nachrüstung zur Einhaltung der Euro 6d-TEMP - notwendig ab dem 1.09.2019 - ist kostenintensiv)
Umstieg auf Benziner-Fahrzeug führt
bei gleichbleibendem Verkehr zu höheren CO2-Emissionen -> klimaschädlicher
Dieselfahrverbot Lösungen
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Alternative Transportmittel

  • Falls ein Auto notwendig ist und das nötige Kleingeld für ein Elektro- oder Hybridfahrzeug nicht da ist, ist ein Erdgasfahrzeug aktuell die beste Anschaffungsvariante.
  • Mit dem anhaltenden Verkauf von SUV-Fahrzeugen ist der Umwelt nicht geholfen. Wenn ihr wirklich ein Auto benötigt, kauft ein möglichst kleines und sparsames Fahrzeug, welches Euren Bedürfnissen ausreichend entspricht.
  • Wer flexibel unterwegs sein möchte, der könnte beim Pendeln in die Stadt das Fahrzeug am Stadtrand abstellen (falls Parkmöglichkeiten gewährleistet sind) und die öffentlichen Verkehrsmittel nutzen.
  • Wer sowieso in der Stadt lebt und nicht zwangsweise ein Auto benötigt, könnte komplett mit den Öffentlichen unterwegs sein oder idealerweise das Fahrrad nehmen. Ein bisschen mehr Bewegung hat noch keinem geschadet.
Nichtsdestotrotz wird aktuell viel Aufwand betrieben, um den Fortschritt in der Verbrennungsmotoren-Technologie voranzubringen. Das heißt, dass wir in den nächsten zwei bis drei Jahren einen Aufschwung in der Fahrzeug-Entwicklung erleben dürfen.
Grüne Zukunft: Verkehr und Fahrrad
©Photo by Tobias Cornille on Unsplash

Fazit

Das Dieselfahrverbot ist kein erfolgreicher Ansatz zur Förderung der Umwelt und Reduzierung des Klimawandels. Eine nachhaltigere Energiewende sowie Lebensweise ist der einzige zukunftsfähige Schritt zur Besserung der Lebenslage für Mensch und Natur. Ein Umstieg auf alternative Transportmittel wie das Fahrrad oder die Öffentlichen ist empfehlenswert. Der Wechsel von Diesel auf einen Benziner ist aktuell nicht ratsam, da immer noch fossile Kraftstoffe verbraucht werden. Verbrennungsmotoren werden dennoch in naher Zukunft noch weiter verbessert und man kann damit rechnen, dass diese noch sparsamer, sauberer und effizienter werden.

Eine nachhaltigere Energiewende sowie Lebensweise ist der einzige zukunftsfähige Schritt zur Besserung der Lebenslage für Mensch und Natur.

Wer aktuell dennoch ein Auto benötigt und der Geldbeutel klein ist, ist mit einem Erdgasfahrzeug am besten aufgehoben. Dennoch sei darauf zu achten, dass der Fokus auf den ausreichenden Bedürfnissen ausgerichtet ist. Wer Interesse an ein Elektro- oder Hybridauto hat, sollte gerne im Hinterkopf behalten woher dieser Strom für den Antrieb bezogen wird – Braunkohle, Atomenergie, oder doch aus Wind-und Solarenergie? All diese Faktoren gilt es zu berücksichtigen für eine zukunftsfähige Entscheidung!

Denkt bitte dran – ihr gibt jeden Tag mit jeder Eurer Tätigkeiten und Entscheidungen eine Stimme ab, welche im Nachhinein Eure Zukunft mitgestaltet.